Dr.
Brigitte Hamann
geb. Deitert

Historikerin und Autorin

* 1940   † 2016

 

Lebenslauf

Brigitte Hamann wurde am 26. Juli 1940 in Essen, Deutschland, als Brigitte Deitert geboren. Sie studierte Germanistik und Geschichte an den Universitäten Münster und ab dem Wintersemester 1961/62 Wien, “und zwar deshalb, weil der von mir sehr verehrte Herbert von Karajan Direktor der Wiener Oper war“, wie sie im Vorwort zu „Österreich. Ein historisches Portrait“ schrieb. 1963 legte sie in Münster das Realschullehrerexamen ab. Brigitte Hamann absolvierte anschließend ein Volontariat bei der Deutschen Presseagentur (DPA) in Essen, Düsseldorf und Köln.

Redakteurin, Heirat, Mutter dreier Kinder, österreichische Staatsbürgerschaft

Sie arbeitete allerdings bald als Redakteurin der Neuen Ruhr Zeitung. Im Jahre 1965 heiratete sie den 1994 verstorbenen Wiener Historiker Günther Hamann, der Wiener Historiker und Universitätsprofessor war. Eine Zeit lang agierte sie als seine Assistentin. Die beiden waren Eltern zweier Töchter und eines Sohnes.

Im Jahre 1966 erhielt sie neben ihrer deutschen Staatsangehörigkeit auch die österreichische Staatsbürgerschaft.

Dissertation über Kronprinz Rudolf, Durchbruch als Autorin

Nach der Geburt ihrer Kinder setzte sie ab 1974 ihr Studium an der Wiener Universität fort. Sie wurde bei Adam Wandruszka mit einer Dissertation zum Thema "Biographie des Kronprinzen Rudolf nach neuen Quellen" zum Dr. phil. promoviert.

1978 gelang ihr mit ihrer ersten Buchveröffentlichung der Durchbruch als Autorin. Hierfür überarbeitete sie ihre Dissertation über Kronprinz Rudolf. 28 Jahre später, also im Jahre 2006, diente Hamanns Biographie als Grundlage für den Film (Zweiteiler) “Kronprinz Rudolfs letzte Liebe“, den Robert Dornhelm produzierte.

Historikerin, Monografien zu historischen Themen, populär mit Habsburger-Büchern

Seit ihrer Promotion arbeitete Brigitte Hamann als freiberufliche Historikerin. Gemeinsam mit ihrem Ehemann entwickelte sie eine eigene Methode, populäre Themen der Geschichte auf der Grundlage intensiver Archivarbeit wissenschaftlich aufzuarbeiten, und in möglichst verständlicher Sprache einem breiteren Publikum zu vermitteln.

Hamanns Werk umfasst vor allem Monografien zu historischen Themen. In Österreich wurde sie insbesondere durch ihre Bücher über die Habsburger populär. Als ihre bekannteste Biographie kann jene über Kaiserin Elisabeth bezeichnet werden (“Elisabeth, Kaiserin wider Willen"). Dieses Buch erschien 1981 und wurde ins Italienische, Französische, Englische, Spanische und Ungarische übersetzt, allein in Ungarn verkaufte es sich 100.000-mal.

Sie schrieb auch über Mozart, die Familie Wagner und Bertha von Suttner. Als Standardwerk gilt das 1988 erschienene biografische Lexikon "Die Habsburger".

"Hitlers Wien"

Brigitte Hamanns wohl bekanntestes Werk ist "Hitlers Wien – Lehrjahre eines Diktators", erschienen 1996. In einem Gespräch mit Stefan Aust und Frank Schirrmacher sagte sie einst: “Hitler sei nicht wie ein Außerirdischer über Deutschland gekommen. Er steht in der deutschen und der österreichischen Geschichte. Er wäre nicht möglich gewesen ohne die Vorbereitungen durch die Entwicklungen in der deutschen Geschichte mindestens seit 1870/71.” Adolf Hitler habe „selbst nichts erfunden“, der ideologische Nährboden für den Rassenwahn war in der Gesellschaft längst bereitet.

Im ersten Weltkrieg sei Hitler kein Antisemit gewesen. Brigitte Hamann: „Die große Wandlung ging in ihm mit der Niederlage und dem Jahr 1919 vor sich. Mit dem Frieden von Versailles und dem völligen moralischen, sozialen und wirtschaftlichen Zusammenbruch auch der Deutschnationalen.“ In seinem Buch „Mein Kampf“ habe sich Hitler dann „eine antisemitische Karriere erfunden“. Später seien ihm „alle diese Parolen im Kopf als die Hauptsache seines Denkens vorgekommen“.

Als Brigitte Hamann nach den Gefahren einer Wiederkehr der Geschichte befragt wurde, antwortete sie: „Ich glaube, daß es wieder passieren kann, und ich glaube auch, daß wir deswegen so genau uns mit Hitler und dem Dritten Reich beschäftigen müssen, um uns klarzumachen, unter welchen Umständen eine so fürchterliche Entwicklung möglich ist. Keiner hat das von Deutschland geglaubt. Man hat gesagt, im Zarenreich, da gab es die Pogrome, natürlich sind da die Juden in Mengen ermordet worden. Aber in Deutschland, dieser Kulturnation? Wir können nur versuchen, so auf die Bedingungen der Geschichte einzuwirken, daß diese Notsituation in einer Bevölkerung nicht auftritt.“

Herausgabe zeitgeschichtlicher Dokumente, Kinderbücher über Kaiserin Maria Theresia und Mozart

Brigitte Hamann war für ihre minutiösen Recherchen bekannt. Sie betrieb intensive Archivarbeit und schrieb sehr präzise.

Sie gab auch verschiedene zeitgeschichtliche Dokumente heraus, wie den Briefwechsel Kaiser Franz Josephs mit Katharina Schratt oder die teils geheimen Schriften Kronprinz Rudolfs. Zudem verfasste sie Kinderbücher über Kaiserin Maria Theresia und über Mozart.

Brigitte Hamann war eine der erfolgreichsten Historikerinnen des deutschen Sprachraums

Brigitte Hamann, die einmal über ihre deutsche Herkunft meinte: "Ich hatte einen anderen Blick auf Österreich und begann, mit einer gewissen Distanz zu schreiben", wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Sie war eine Humanistin und es war ihr wichtig, viele Menschen mit ihren Publikationen zu erreichen, um Debatten im Großen und Reflexionsprozesse im Kleinen auszulösen.

Brigitte Hamann wird als eine der erfolgreichsten Historikerinnen des deutschen Sprachraums in Erinnerung bleiben. Sie hat für die Geschichtsforschung wertvollste Arbeit geleistet.

Werke (Auswahl)

Rudolf, Kronprinz und Rebell, 1978
Elisabeth, Kaiserin wider Willen, 1981
Bertha von Suttner, ein Leben für den Frieden, 1986
Die Habsburger, Biographisches Lexikon (Hg.), 1988
Nichts als Musik im Kopf. Das Leben von Wolfgang Amadeus Mozart (Kinderbuch), 1990
Meine liebe, gute Freundin. Die Briefe Kaiser Franz Josephs an K. Schratt (Hg.), 1992
Elisabeth. Bilder einer Kaiserin, 1995
Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators, 1996
Der Erste Weltkrieg: Wahrheit und Lügenin in Bildern und Texten, 2002
Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth, 2002
Die Familie Wagner, 2005
Kronprinz Rudolf. Ein Leben, 2005
Ein Herz und viele Kronen. Das Leben der Kaiserin Maria Theresia (Kinderbuch, ill. v. R. Rettich), 2004
Mozart. Sein Leben und seine Zeit, 2006
Hitlers Edeljude. Das Leben des Armenarztes Eduard Bloch, 2008
Österreich. Ein historisches Portrait, 2009

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)

Heinrich-Drimmel-Preis, 1978
Premio Comisso, 1982
DANUBIUS Donauland-Sachbuchpreis, 1986
Anton-Wildgans-Preis, 1995
Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch, 1998
"Buch des Jahres 2002" für "Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth" (verliehen von der Zeitschrift Opernwelt), 2002
"Buch des Jahres 2002" ebenfalls für "Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth" (verliehen von der Zeitschrift Damals), 2002
Ehrenpreis des Presseclubs Concordia, 2002
Preis der Stadt Wien für Publizistik, 2004
Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Silber, 2006
Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln, 2012

Tod

Am 4. Oktober 2016 starb die verdiente Historikerin in Wien.

Weblinks

Wir erinnern uns

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